Wiener Gemeinderat gegen die städtische Finanzierung der CTS Eventim Halle für Wien – am 26.März25

Sehr geehrte Damen und Herren,

Am Beginn eine Ergänzung zu Kollegen Thomas Reindl:
Weil das Beispiel vorher gefallen ist – zur  EVENTIM HALLE  in Mailand:

„Die Stadt Mailand trägt keinen direkten Anteil an den Baukosten der Eventim-Arena (Arena Santa Giulia). Die Finanzierung und Errichtung werden vollständig von CTS Eventim übernommen, das als Bauherr und zukünftiger Betreiber agiert. Die Investitionssumme für das Projekt beläuft sich auf etwa 250 Millionen Euro, wobei CTS Eventim auch das Grundstück erworben hat und die gesamten Bauarbeiten sowie den späteren Betrieb verantwortet“ (zit. aus Stadionwelt)
Laut dieser schnell recherchierten AUskunft aus dem Internet erfaheren wir, dass sich Mailand eben NICHT finanziell an der neuen HAlle beteiligt hat. Hier sind also keine Steuergelder geflossen! Im gegensatz zu unserem vorleigenden Fall!

Zurück nach Wien:
Wien ist ein Ort der Kunst, der Kreativität und der Vielfalt. Unsere Kulturszene pulsiert in kleinen Clubs, experimentellen Bühnen und traditionsreichen Veranstaltungsorten. Das ist die Kulturstadt, die Musikstadt Wien:

Die CTS Eventim-Halle bzw Wien Holding Arena, wie sie hier genannt wird  in Neu Marx ist ein Projekt, das vor allem einem internationalen Konzern dient, während die lokale Kulturlandschaft und die Menschen, die sie tragen, auf der Strecke bleiben könnten.
Zur Erinnerung! Ursprünglich war geplant – dass diese Halle die SteuerzahlerInnen nichts kosten soll ! Jetzt sind wir bei 212  Mio Euro Kosten für die Stadt Wien!
Lassen Sie uns gemeinsam nachdenken und fragen: Ist das wirklich der Weg, den wir für Wien wollen? Dazu hab  ich ein paar Punkte zusamengetragen.

Wer profitiert wirklich vom Bau und Betrieb der neuen CTS EVentim Halle?

CTS Eventim ist ein globaler Gigant, der allein in Österreich jährlich rund 400 Millionen Euro Umsatz erzielt – vor allem durch Ticketverkäufe über oeticket.com. Der durchschnittliche Ticketpreis liegt bei etwa 70 Euro, kann aber bis zu 600 Euro gehen, wie zB bei Helene Fischer Konzert!,
Das ist eine Summe, die für viele Menschen kaum erschwinglich ist.
Standardtickets von lokalen Anbietern  sind in Wien aktuell schon zwischen 20 – 30 Euro zu haben!
Zudem werden nur wenige österreichische KünstlerInnen  von CTS Eventim promotet – der Fokus liegt klar auf internationalen Stars!

Zur Einordnung: CTS EVENTIM, ist  Europas größter Veranstaltungs- und Ticketingkonzern. Die EVENTIM steht seit Langem immer wieder in der Kritik. Zum einen wegen seiner Marktmacht. „Das Unternehmen hat bei der Ticketvermarktung Marktanteile von mehr als 60 Prozent und ist damit als marktbeherrschend einzustufen“, sagt Daniel Zimmer, Professor für Kartell- und Wettbewerbsrecht an der Uni Bonn.  2023 hat er das gesagt!

Der Ticketverkauf ist jedoch nur ein Teil des Geschäftsmodells. „Hinzu kommt, dass die Firma ihre Macht systematisch auf andere Marktstufen ausgedehnt hat: Sie agiert einerseits auch selbst als Veranstalter und wird damit zum Konkurrenten ihrer eigenen Vertragspartner, andererseits kontrolliert sie wichtige Event-Locations – in Dtl gibt es derzeit 5 davon„!

Warum will die Stadt Wien diesen Marktführer mit 2 Mrd Umsatz im Jahre finanziell stützen?
Wir fördern ja auch andere internationale Konzerne wie Starbucks, oder H&M?
Und was bleibt für Wien?

Die Stadt trägt bis zu **212 Millionen Euro** an Baukosten – möglicherweise sogar mehr.
Doch die Gewinne aus dem Betrieb der Halle und dem Ticketverkauf fließen größtenteils in die Taschen eines internationalen Konzerns.

Ist das gerechtfertigt? Ist das fair gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern dieser Stadt?

Was bedeutet das für unsere lokale Kulturszene?

In Österreich gibt es etwa 5, ich wiederhole etwa 5 Bands  bzw.  Formationen, die eine Halle mit etwa 20.000 Besucher*innen füllen können.  Und selbst die bevorzugen oft kleinerer  Orte.

Zum Beispiel JOSH – letztes Jahr  im Herbst hat er die Wiener Stadthalle gefüllt, heuer geht er lieber 2 x in die ARENA –

WARUM?

  • weil die Miete der Stadthalle zu hoch ist,
  • weil der technische Aufwand in riesigen Hallen riesig ist
  • und damit die Kosten für die KünstlerInnen bzw VeranstalterInnen riesig sind, damit die Besucher*innen hinten auf der letzten Tribüne auch noch was hören
  • und laut Josh – weil er sein Publikum lieber besser spüren will.

Wien lebt von seiner kulturellen Vielfalt. Und verwendet diese Kulturelle Vielfalt auch im Eigenmarketing.

Orte in der unmittelbaren Nachbarschaft wie die Marx Halle, Arena Wien oder das Brut bieten Raum für Innovation und alternative Kunstformen. Hier treten KünstlerInnen auf, die nicht nur den Mainstream bedienen, sondern Neues wagen – oft mit kleinem Budget und großem Herzblut.
Mit einer riesigen kommerziellen Halle droht eine Ausdünung dieser Orte durch den Fokus auf profitmaximierende Großevents.

Die zunehmende Kommerzialisierung der Musiklandschaft hat bereits dazu geführt, dass immer weniger künstlerisch hochwertige MusikerInnen finanziell überleben können.
Während große Musikkonzerne Rekordumsätze erzielen, kämpfen lokale KünstlerInnen ums Überleben.

Warum wollen wir diese Entwicklung mit Wiener Steuergeldern unterstützen?

Mainstream gegen Innovation

Die neue Halle wird zweifellos internationale Stars anziehen – doch was passiert mit den weniger kommerziellen Genres?
Mit den Künstlern, die nicht auf Hochglanz poliert sind, sondern echte Geschichten erzählen?
Werden sie überhaupt noch Platz finden?

Kunst darf nicht nur für jene zugänglich sein, die sich teure Tickets leisten können.
Kunst muss für alle da sein – unabhängig von Einkommen oder Herkunft.

Wenn wir zulassen, dass kommerzielle Großprojekte unsere Kulturlandschaft dominieren, verlieren wir genau das: Die Seele unserer Stadt.


Und dann noch: Umweltbelastungen und Verkehrsprobleme

Mit bis zu 1,2 Millionen Besuchern jährlich wird das Verkehrsaufkommen in Neu Marx massiv steigen.
Geplant sind ja 145 Veranstaltungen im Jahr, die jeweils 20.000 Menschen herbringen sollen – dh jeden 2. Tag kommen 20.000 Mensch en und verlassen den Ort auch wieder!
Ohne ein nachhaltiges Mobilitätskonzept, drohen Staus (Stichwort Sürd-Ost-Tangenete), Luftverschmutzung und Lärmbelästigung.
Schon im Gemeinderats-Akt wird positiv auf die Nähe zum Flughafen hingewiesen – dh.  es wird davon ausgegangen, dass die neue Halle den Flugverkehr in Wien erhöhen wird!

Ein dritte Piste in Schwechat, damit wir die CTS- Eventim Halle füllen können? – kann das unser Ziel sein?

 

Und welche Alternativen gibt es zur Errichtung riesigen CTS  EVENTIM- Halle?

Die Stadt Wien hat viele Möglichkeiten, um Kultur nachhaltig zu fördern:

  1. Modernisierung bestehender Veranstaltungsorte: Warum nicht in die Marx Halle oder Arena Wien investieren? Beide Orte bieten bereits eine Plattform für vielfältige Events und könnten durch gezielte Investitionen weiterentwickelt werden.
  2. Oder wir könnten in eine viel kleiner Halle investieren: Was sich Wiener VeranstalterInnen tatsächlich wünschen, ist eigentlich eine viel kleinere Halle als die neue Eventim Halle. Was es tatsächlich brauchen würde, wäre ein Ort, der größer als der Gasometer, aber nicht so groß und teuer zu mieten ist, wie die Stadthalle ist.
    Ein Ort, der etwa 5000 – 8.000 Menschen fasst, der wäre auch von vielen österr. Musikgrößen zu füllen.
  3. Oder: Man könnte die Eventim Millionen stattdessen in Förderung in kleinteilige Kulturprojekte investieren: Statt Millionen in eine Großarena zu stecken, könnte die Stadt kleinere Kulturzentren fördern – etwa in den Außenbezirken. Mit den hier verhandelten 153 Mio.  – inzwischen reden wir ja schon von 12 Mio. – könnte in jedem Wiener Bezirk 6 Millionen  in die Konzeptionierung und den Aufbau in ein partizipatives  Kulturzentrum  investiert werden.  In jedem der 23. Wiener Bezirke 6 Millionen!
    Dies würde nicht nur die kulturelle Vielfalt stärken, sondern auch ein wichtige  Funktion erfüllen: Kulturangebote können  sozialer Klebstoff sein:  so könnten Austausch und Brückenbau zwischen unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen gestärkt werden. Wiener Steuergelder kann so investiert werden, um gemeinsame Orte zu schaffen, um Generationen, soziale Klassen und  Welt-Anschauungen, Menshcne unterschiedlicher religöser und andere Bekenntnisse zusammenzubringen. – Diese effektive soziale Investition – wäre möglich!
  4. Und noch was: wir haben auch Ideen für Alternative Nutzung des Areals Neu Marx:
    In den letzten 10 Jahren haben sich vor Ort viele lokale Initiativen gegründet zB. eine Gartengemeinschaft, eine Skaterpark und ein Basketballfeld  wurde in Eigen-Regie von Engagierten vor Ort errichtet und auch regelmäßige Vintagemärkte .
    Es gibt in Wien wenige Freiflächen, die von den Bürgerinnen und Bürgern selbst definiert und benutzt werden können. Die Fläche in Neu Marx ist derzeit so eine Fläche. Gerade Corona hat gezeigt, wie wichtig es ist im dicht besiedelten Gebiet auch Freiflächen zu erhalten. Hier im Gebiet von Neu Marx besteht eine einmalige Chance etwas wie ein Freie Mitte im Nordbahngelände zu schaffen – einen Ort den unterschiedliche Nutzerinnengruppen frei definieren und damit den sozialen Zusammenhang stärken.

 

Was macht Wien aus?

Wien ist Kultur-Haupt-Stadt.  Es sind die kleinen Bühnen in auf denen junge KünstlerInnen ihre ersten Schritte machen. Es sind die experimentellen Perfomances oder die elektrisierenden Konzerte in der Arena Wien, bei denen man spürt: Hier entsteht etwas Neues, etwas Echtes.

Doch wenn wir zulassen, dass Projekte wie die CTS Eventim-Halle unsere Kulturlandschaft dominieren, riskieren wir genau das zu verlieren: Die Seele unserer Stadt.
Kunst darf nicht dem Profit geopfert werden – sie ist ein zentraler Bestandteil unserer Wiener Identität.

Wir wollen Kulturförderung statt Kommerz

Die CTS Eventim-Halle mag kurzfristig beeindruckend wirken, doch langfristig droht sie mehr Schaden als Nutzen zu bringen.

Statt öffentliche Gelder in ein Projekt zu stecken, das primär einem internationalen Konzern dient, sollten wir in unsere eigene Kulturszene investieren:

  • In lokale KünstlerInnen.
  • In bestehende Veranstaltungsorte.
  • In Projekte, die Vielfalt und Innovation fördern

Deshalb werden wir diesem Poststück nicht zustimmen!

Wien verdient eine Kulturpolitik mit Herz – eine Politik, die den Menschen dient und nicht den Profiten eines Großkonzerns.
Lassen Sie uns gemeinsam dafür sorgen, dass Wien weiterhin ein Ort der Vielfalt und Kreativität bleibt. Investieren wir die vorgeschlagene n Millionen lieber tatsächlich in die lokale Kulturszene

Vielen Dank!